
NAS selber bauen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Vom Mini-PC zum eigenen NAS-Server: Hardware auswählen, Betriebssystem installieren und Freigaben einrichten – alles in einer Anleitung.
Warum ein NAS selber bauen?
Fertige NAS-Systeme von Synology oder QNAP kosten 300–800 € – ohne Festplatten. Für das gleiche Geld kannst du ein Eigenbau-NAS mit deutlich mehr Leistung aufsetzen.
Vorteile des Eigenbaus:
- Du wählst die CPU-Leistung selbst (wichtig für Transcoding oder Docker)
- Du bist nicht an proprietäre Software gebunden
- Du kannst beliebig aufrüsten (RAM, NICs, SSDs)
- Du lernst dabei eine Menge über Servertechnik
Ein Eigenbau-NAS auf Basis eines gebrauchten Mini-PCs oder eines kleinen ATX-Boards kostet oft nur 200–400 € inklusive Platten.
Hardware-Komponenten im Überblick
| Komponente | Empfehlung | Preis (ca.) |
|---|---|---|
| Gehäuse | Fractal Design Node 304 (6 Bays) oder Jonsbo N-Serie | 80–120 € |
| Mainboard + CPU | Intel N100/N305 Mini-ITX (6–15 W TDP) | 100–150 € |
| RAM | 8 GB (OMV) / 16–32 GB (TrueNAS/ZFS) | 25–60 € |
| Festplatten | WD Red Plus oder Seagate IronWolf (NAS-zertifiziert) | 70–110 €/4 TB |
| Netzteil | 80+ Gold, 200–350 W | 40–60 € |
| System-SSD | 128–256 GB NVMe oder SATA-SSD | 15–25 € |
Faustformel für ZFS-RAM: 1 GB RAM pro 1 TB verwalteten Speicher, plus 8 GB für das Betriebssystem. Bei OpenMediaVault sind 4–8 GB ausreichend.
Betriebssystem: TrueNAS, OpenMediaVault oder Unraid
| Betriebssystem | Dateisystem | Min. RAM | Kosten | Stärke |
|---|---|---|---|---|
| TrueNAS SCALE | ZFS (RAIDZ) | 16 GB | Kostenlos | Enterprise-Features, Snapshots |
| OpenMediaVault | ext4 / Btrfs | 4 GB | Kostenlos | Leichtgewichtig, einsteigerfreundlich |
| Unraid | XFS / Btrfs | 4 GB | Ab 59 $ | Mixed Drives, Docker + VMs |
TrueNAS SCALE (Linux-basiert) bietet integriertes Docker/Kubernetes, Snapshots und Replikation. Empfohlen für Nutzer, die Enterprise-Features wollen. Nachteil: Höherer RAM-Bedarf.
OpenMediaVault basiert auf Debian, ist ideal für Einsteiger mit einfacher Web-Oberfläche. Läuft gut auf schwacher Hardware (auch Raspberry Pi möglich).
Unraid ist kommerziell, aber sehr benutzerfreundlich. Ermöglicht das Mischen verschiedener Plattengrößen – beliebt in der Homelab-Community wegen der einfachen Bedienung.
Zusammenbau und Installation
- Schritt 1: Mainboard, CPU und RAM montieren. Bei Mini-ITX auf die richtige Reihenfolge achten – erst RAM, dann ins Gehäuse.
- Schritt 2: Festplatten einbauen und SATA-Kabel anschließen. Bei mehr als 4 Platten brauchst du ggf. einen HBA-Controller (z. B. LSI 9211-8i).
- Schritt 3: Netzteil installieren und alle Stromkabel verbinden.
- Schritt 4: USB-Stick mit dem Installer des gewählten Betriebssystems erstellen (Balena Etcher oder Rufus).
- Schritt 5: Vom USB-Stick booten, Installation durchführen. Bei TrueNAS wird das System auf eine separate SSD installiert.
- Schritt 6: Web-Oberfläche aufrufen (IP-Adresse:PORT) und Storage-Pool, Benutzer und Freigaben konfigurieren.
Grundkonfiguration: Pool, Freigaben und Backup
Nach der Installation richtest du als Erstes einen Storage-Pool ein:
- ZFS (TrueNAS): Wähle ein RAID-Level wie RAIDZ1 (≈ RAID 5) für ein gutes Verhältnis aus Kapazität und Redundanz
- Btrfs/mdadm (OMV): Erstelle ein Btrfs-RAID oder mdadm-Array
Dann erstellst du Freigaben:
- SMB/CIFS für Windows-Zugriff
- NFS für Linux-Clients
Aktiviere regelmäßige Snapshots (ZFS: stündlich, täglich, wöchentlich) und richte ein Off-Site-Backup ein: Syncthing für Peer-to-Peer-Sync oder rclone für Cloud-Backups zu Hetzner Storage Box oder Backblaze B2.
Kostenübersicht: Eigenbau vs. Fertig-NAS
Beispielrechnung für ein 4-Bay-NAS mit 16 TB Bruttokapazität:
| Lösung | Hardware | Strom/Jahr | 5-Jahres-Kosten |
|---|---|---|---|
| Eigenbau (N100, 16 GB, 4×4 TB) | ~500 € | ~72 € | ~860 € |
| Synology DS423+ (+ 4×4 TB) | ~1.000 € | ~60 € | ~1.300 € |
| QNAP TS-464 (+ 4×4 TB) | ~950 € | ~65 € | ~1.275 € |
Strom berechnet bei 25 W / 20 W / 22 W Dauerbetrieb, 33 ct/kWh.
Der Eigenbau spart 300–500 € bei deutlich mehr Leistung (Intel N100 vs. Celeron J4125 in vielen Fertig-NAS). Nutze unseren NAS-Rechner für die exakte Kalkulation.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel RAM braucht ein Eigenbau-NAS?
**Für OpenMediaVault reichen 4–8 GB, für TrueNAS mit ZFS sollten es mindestens 16 GB sein.** Die Faustformel bei ZFS: 1 GB RAM pro 1 TB verwalteten Speicher, plus 8 GB für das Betriebssystem. ECC-RAM ist empfehlenswert, aber nicht zwingend.
Welche Festplatten eignen sich für ein NAS?
**NAS-zertifizierte Platten wie WD Red Plus oder Seagate IronWolf sind für Dauerbetrieb optimiert.** Sie haben Vibrationssensoren, höhere MTBF-Werte und sind für RAID-Umgebungen ausgelegt. Desktop-Platten (WD Blue, Barracuda) funktionieren, haben aber kürzere Garantie und keine RAID-Optimierung.
Ist ein gebrauchter Mini-PC als NAS geeignet?
**Ja, gebrauchte Dell OptiPlex, HP ProDesk oder Lenovo ThinkCentre sind hervorragende NAS-Basis.** Sie kosten 80–150 €, haben niedrigen Stromverbrauch und genug Leistung für NAS + Docker. Nachteil: Meist nur 1–2 SATA-Ports, Erweiterung über USB 3.0 oder M.2-Adapter nötig.
Quellen
- [1] TrueNAS – Hardware Guide (truenas.com)
- [2] OpenMediaVault – Getting Started Guide (openmediavault.org)
- [3] WD Red Plus – Produktdatenblatt (westerndigital.com)
- [4] Bundesnetzagentur – Strompreise 2025/2026